16. Januar 2026
Holzbau boomt – nicht nur im Einfamilienhausbereich, sondern zunehmend auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Holz gilt als nachhaltiger Baustoff mit hervorragenden ökologischen Eigenschaften. Doch der Baustoff stellt besondere Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz, insbesondere bei der Installation technischer Leitungen. Dieser Beitrag zeigt, worauf es bei Kabelabschottungen im Holzbau ankommt und welche Lösungen sich bewährt haben.
Warum Holzbau in den letzten Jahren so gefragt ist
In den letzten Jahren hat sich die Wohnungsnot in Deutschland weiter verschärft. Laut Pestel-Institut fehlten 2024 rund 600.000 Wohnungen. Trotz des Ziels der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, wurden laut ifo Institut nur etwa 210.000 fertiggestellt – für 2025 werden sogar noch weniger erwartet. Gleichzeitig zeigen sinkende Baugenehmigungen den anhaltenden Einbruch im Bausektor.
Als Hauptursachen für diese Entwicklung gelten die stark gestiegenen Bau- und Materialkosten, verstärkt durch langwierige Genehmigungsprozesse und den anhaltenden Fachkräftemangel. Während die Auftragsvorlaufzeiten im Bau noch vor wenigen Jahren teils ein halbes Jahr betrugen, hat sich die Situation zwar etwas entspannt – doch mit dem bevorstehenden Generationswechsel droht der Branche schon bald ein neuer Engpass.
Quelle: © ZIA; empirica; Pestel Institut; BAMF; SOEP, vgl. Statista 2025
Serielles Bauen mit Holz entwickelt sich zunehmend zu einem der wichtigsten Ansätze, um der Wohnungsknappheit und den steigenden Baukosten wirksam zu begegnen. Durch die Kombination aus industrieller Vorfertigung und dem nachwachsenden Baustoff Holz lassen sich Bauprojekte nicht nur deutlich schneller, sondern auch nachhaltiger realisieren.
Im Unterschied zur herkömmlichen Bauweise werden beim Holzbau viele Elemente – etwa Wand- und Deckenelemente oder komplette Raummodule – in der Werkhalle vorgefertigt. Diese präzise, witterungsunabhängige Produktion ermöglicht eine konstante Qualität und reduziert den Aufwand auf der Baustelle erheblich: Vor Ort müssen die Module meist nur noch montiert werden.
Zudem führt die Standardisierung wiederkehrender Bauteile zu deutlichen Kostenvorteilen durch Skaleneffekte. Damit verbindet das serielle Bauen mit Holz ökonomische Effizienz mit ökologischer Verantwortung – und gilt zurecht als Schlüsseltechnologie für den modernen, nachhaltigen Wohnungsbau.
Besonders im mehrgeschossigen Wohnungsbau erlebt der Holzbau derzeit eine Renaissance. Die wachsende Nachfrage nach ökologischen Bauweisen rückt Holz als nachwachsenden, CO₂-neutralen Baustoff zunehmend in den Fokus. Dank modularer Vorfertigung und kurzer Bauzeiten gewinnt der Holzbau auch im urbanen Raum an Bedeutung. Der Prinz Eugen Park in München – eines der größten Holzbau-Siedlungsprojekte Deutschlands – ist nur eines von vielen Beispielen.
Doch der Einsatz von Holz bringt auch besondere Herausforderungen mit sich. Als brennbarer Baustoff erfordert Holz im Brandfall spezifische Schutzmaßnahmen – insbesondere an neuralgischen Punkten wie Leitungsdurchführungen.
Brandschutzrechtliche Rahmenbedingungen: Was Planer wissen müssen
Mit der überarbeiteten Muster-Richtlinie MHolzBauRL (2024) wurden die Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise weiter konkretisiert. In Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen entfällt bei Einhaltung dieser Richtlinie sogar die Notwendigkeit einer Bauartgenehmigung für bestimmte Konstruktionen.
Im Brandschutz gelten vier zentrale Schutzziele (§ 14 MBO):
- 1
Verhinderung der Brandentstehung
- 2
Begrenzung der Brandausbreitung
- 3
Sicherstellung der Rettung von Menschen und Tieren
- 4
Ermöglichung wirksamer Löscharbeiten
Diese Ziele betreffen besonders die Leitungsdurchführungen in Decken und Wänden – also die Kabel- und Rohrabschottung.
Eine weitere bedeutende Neuerung der überarbeiteten Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) ist die künftig mögliche Anwendung der Holztafelbauweise auch in der Gebäudeklasse 5. Bislang war diese Bauweise ausschließlich bis zur Gebäudeklasse 4 zulässig, doch das ändert sich nun grundlegend: Unter bestimmten brandschutztechnischen Voraussetzungen dürfen künftig auch mehrgeschossige Gebäude in Holztafelbauweise errichtet werden. Diese Erweiterung eröffnet dem modernen Holzbau völlig neue Perspektiven – sowohl im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit als auch auf Nachhaltigkeit.
Damit wird der Holzbau auf ein völlig neues Niveau gehoben – erstmals können mehrgeschossige Gebäude bis knapp unter die Hochhausgrenze in dieser Bauweise umgesetzt werden. Für Planer und Ausführende bedeutet das einerseits neue gestalterische und wirtschaftliche Möglichkeiten, andererseits aber auch höhere Anforderungen an die brandschutztechnische Planung und Nachweisführung.
Die Gebäudeklassen im Überblick:
GK1 | GK2 | GK3 | GK4 | GK5 |
|---|---|---|---|---|
freistehend | - | - | - | - |
OKF ≤ 7 m | OKF ≤ 7 m | OKF ≤ 7 m | OKF ≤ 13 m | OKF unbegrenzt |
NE gesamt max. 400 m2 | NE gesamt max. 400 m2 | NE-Größe unbegrenzt | NE jeweils max. 400 m2 | NE-Größe unbegrenzt |
max. 2 NE | max. 2 NE | NE unbegrenzt | NE unbegrenzt | NE unbegrenzt |





NE = Nutzungseinheit
F30 feuerhemmend
F60 hochfeuerhemmend
F90 feuerbeständig
OKF = Oberkante Fußboden des höchstgelegenen Geschosses
von innen nach außen F30 feuerhemmend und von außen nach innen F90 feuerbeständig
Wand unter zusätzlicher mechanischer Beanspruchung F60 hochfeuerhemmend
Brandwand unter zusätzlicher mechanischer Beanspruchung F90-A feuerbeständig
Besonderheiten der Kabelabschottung im Holzbau
Holzbauteile – ob Holzbalkendecken, Holzrahmenwände oder Brettsperrholzelemente – unterscheiden sich konstruktiv und brandschutztechnisch stark von Massivbauteilen. Die am häufigsten vorkommenden Anwendungsbereiche im Holzbau sind zum einen die Holzbalkendecke, die Vollholzdecke, die Vollholzwand und die Holzständerwand. Standardisierte Prüfungen zur Abschottung werden meist in Massivdecken oder leichten Trockenbauwänden durchgeführt. Für den Holzbau bedeutet das:
- Nachweisführung ist unerlässlich.
- Ausführungsdetails müssen angepasst sein.
- Nichtbrennbare Laibungen aus Kalziumsilikat oder Gipsfaserplatten sind meist erforderlich.
- Formstabile, mineralische Füllstoffe wie Mörtel sichern die Restöffnung.
Besonders in Holzbalkendecken müssen die Öffnungen mit versetzten Fugen, Stufenfalzen oder Nut-Feder-Verbindungen versehen werden – wie es Abschnitt 4.7 der MHolzBauRL vorsieht.
Installationsschächte als Hotspots im Brandfall
Installationsschächte bündeln Medienleitungen über mehrere Geschosse hinweg – vom Keller bis zum Dach. Ohne geeignete Abschottungen stellen sie eine direkte „Brandautobahn“ dar. Die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) greift diese Problematik auf und definiert grundlegende Rahmenbedingungen für den brandschutzgerechten Umgang mit Leitungsanlagen und Installationsschächten. In der Praxis ergeben sich daraus unter anderem folgende Schutzziele und bewährte Maßnahmen:
- Feuer- und rauchdichte Abschlüsse jeder Leitungsdurchführung entsprechend der Anforderungen der durchdrungenen Bauteile
- Schachtverkleidungen mit geprüftem Feuerwiderstand
- Erhalt der Schutzfunktion auch bei Wartungsarbeiten oder Nachbelegungen von Leitungen
- Frühzeitige Planungsintegration, um Konflikte mit anderen Gewerken zu vermeiden
Lösungen für den Holzbau: Sicher abschotten mit System
Kabelabschottungen im Holzbau erfordern speziell abgestimmte Systeme. Ein Beispiel dafür ist die Wichmann WD90 Kabelbox, die für den Einsatz in Vollholzwänden und Holzständerwänden ab 10 cm Dicke und in Installationsschächten verwendet werden kann. Sie erfüllt die Anforderungen der MLAR sowie landesspezifischer Regelungen und lässt sich durch ihre modulare Bauweise auch bei nachträglichen Installationen effizient nutzen.
Die darauf aufbauende Wichmann Timber-Box ist darüber hinaus auch in massiven mindestens 20cm starken Vollholzdecke geprüft und zum Beispiel beim Prinz Eugen Park in München, einem der größten Holz–Wohnungsbauprojekte in Deutschland, zum Einsatz gekommen.
Vorteile der Wichmann Kabelboxen:
- Geprüfte Anwendung in einer Massivholzdecke
- Einfache Montage dank vorgefertigter Komponenten
- Planungs- und Ausführungssicherheit
Fazit: Brandschutz im Holzbau ist machbar – mit dem richtigen Konzept
Erfolgreicher Brandschutz im Holzbau hängt maßgeblich davon ab, dass die eingesetzten Abschottungssysteme geprüft und auf ihre Wirksamkeit im jeweiligen Bauteil abgestimmt sind. Denn: Holzbauteile unterscheiden sich konstruktiv deutlich von Massivbauweisen – Standardlösungen sind hier oft nicht übertragbar.
Eine sorgfältige Auswahl von Systemen, deren brandschutztechnische Leistungsfähigkeit durch geeignete Prüfungen nachgewiesen wurde, schafft Planungs- und Ausführungssicherheit. Besonders wichtig ist dabei, dass die Prüfungen realitätsnah an den eingesetzten Holzbauteilen orientiert sind – etwa Holzbalkendecken oder Holzständerwände – und damit belastbare Aussagen zur Eignung liefern.
Je früher diese geprüften Systeme in die Gebäudeplanung integriert werden, desto besser lassen sich brandschutzgerechte und zugleich wirtschaftliche Installationslösungen realisieren. So wird der Holzbau nicht nur nachhaltig, sondern auch sicher.
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